steuern

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steuern

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steu|ern [' Ét…ĒyŐģ…źn] <tr.; hat:
(bei einem Fahrzeug) das Steuer, die Lenkung bedienen:
das Schiff, Auto steuern.
Syn.: ‚ÜĎ fahren, ‚ÜĎ f√ľhren, ‚ÜĎ lenken, ‚ÜĎ man√∂vrieren.

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steu|ern ‚Ć©V.; hat‚Ć™
I ‚Ć©V. tr.‚Ć™
1. etwas \steuern lenken (Auto, Flugzeug, Schiff, Kran)
2. jmdn. od. etwas \steuern leiten, beeinflussen
‚óŹ einen Ablauf \steuern; den Ton \steuern Tonh√∂he u. Lautst√§rke ausgleichen
II ‚Ć©V. intr.‚Ć™
1. das Steuer handhaben
2. steuernd fahren
‚óŹ nach einer Insel im Mittelmeer \steuern; in einen Hafen \steuern; wohin steuert er? ‚Ć©fig.‚Ć™ wo will er hinaus?; was beabsichtigt er (damit)?
[<mhd. stiuren <ahd. stiur(r)en, mnddt. st√ľren ‚Äěst√ľtzen, lenken, abwehren‚Äú <got. stiurjan ‚Äě(Behauptungen) aufstellen‚Äú]

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1steu|ern <sw. V.> [mhd. stiuren, ahd. stiur(r)en]:
1. <hat>
a) das ‚ÜĎ 1Steuer (a) eines Fahrzeugs bedienen u. dadurch die Richtung des Fahrzeugs bestimmen; durch Bedienen des ‚ÜĎ 2Steuers (a) in eine bestimmte Richtung bewegen:
ein Boot s.;
das Schiff [sicher] in den Hafen s.;
einen Ferrari s. ([im Rennen] fahren);
<auch ohne Akk.-Obj.:> nach rechts, zur Seite s.;
b) (Seew., Flugw.) 1steuernd (1 a) einhalten:
Westkurs s.
2. <ist>
a) irgendwohin Kurs nehmen; eine bestimmte Richtung einschlagen:
das Schiff, das Flugzeug steuert nach Norden;
√ú wohin steuert unsere Politik?;
b) (ugs.) sich zielstrebig in eine bestimmte Richtung bewegen:
an die Theke s.;
er steuert in sein Ungl√ľck.
3. <hat>
a) (Technik) (bei Ger√§ten, Anlagen, Maschinen) den beabsichtigten Gang, Ablauf, das beabsichtigte ‚ÜĎ Programm (4) o. √Ą. ausl√∂sen:
einen Rechenautomaten, die Geschwindigkeit eines Fließbands s.;
b) f√ľr einen bestimmten Ablauf, Vorgang sorgen; so beeinflussen, dass sich jmd. in beabsichtigter Weise verh√§lt, dass etw. in beabsichtigter Weise abl√§uft, vor sich geht; lenken:
den Produktionsprozess s.;
ein Gespr√§ch geschickt [in die gew√ľnschte Richtung] s.
4. <hat> (geh.) einer Sache, Entwicklung, einem bestimmten Verhalten von jmdm. entgegenwirken:
dem Unheil, der Not s.
2steu|ern <sw. V.; hat [mhd. stiuren = beschenken, eigtl. = ‚ÜĎ 1steuern] (schweiz., sonst veraltet):
Steuern zahlen.

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Steuern,
 
im Sinne des Steuerrechts gem√§√ü ¬ß 3 AO Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung f√ľr eine besondere Leistung darstellen und von einem √∂ffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht kn√ľpft; die Erzielung von Einnahmen (¬Ľfiskalische Funktion der Steuern¬ę) kann nur Nebenzweck sein. Zu den Steuern geh√∂ren nach ¬ß 3 AO auch Z√∂lle und die Absch√∂pfungen im Rahmen der EU-Agrarpolitik. Die Definition der AO stellt auf den Zwangscharakter, das Fehlen einer speziellen Gegenleistung des √∂ffentlichen Verbandes und auf die Tatbestandsm√§√üigkeit der Steuern ab. Der Zwangscharakter ist das entscheidende Merkmal der hoheitlichen Einnahmeerzielung, das die Steuern gemeinsam haben mit den √ľbrigen Arten der Abgaben, den Geb√ľhren, Beitr√§gen (einschlie√ülich Sozialversicherungsbeitr√§ge) und Sonderabgaben (Quasisteuern). Die fehlende Entgeltlichkeit grenzt die Steuern von den Erwerbseink√ľnften, den Geb√ľhren und den Beitr√§gen ab, bei denen eine spezielle Entgeltlichkeit beziehungsweise die Inanspruchnahme √∂ffentlicher Leistungen vorliegt. Die Tatbestandsm√§√üigkeit der Steuerpflicht ergibt sich aus dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit: Eine Steuerpflicht entsteht nicht, wenn der Tatbestand im Sinne des Gesetzes nicht vorliegt.
 
In der Finanzwissenschaft geht der Begriff Steuern weiter als im Steuerrecht. Er umfasst einerseits auch Naturalleistungen (Naturalsteuern), oft einschlie√ülich pers√∂nliche Dienstleistungspflichten (z. B. Wehr- und Feuerwehrdienstpflicht), andererseits auch reine Lenkungssteuern (Wirkungszwecksteuern), die √ľberhaupt nicht der Einnahmeerzielung, sondern ausschlie√ülich nichtfiskalischen Funktionen im Sinne der Beeinflussung des wirtschaftlichen Verhaltens dienen. Beispiele hierf√ľr sind der Stabilit√§tszuschlag zur Absch√∂pfung und Stilllegung von Kaufkraft in der Hochkonjunktur, die Prohibitivsteuer, deren S√§tze bewusst so hoch sind, dass der besteuerte Tatbestand (Einfuhr oder Verbrauch bestimmter G√ľter) ganz unterbleibt, sowie die Internalisierung negativer externer Effekte durch Umweltabgaben. Der Zweck der Abgabe ist damit f√ľr die Steuerdefinition ebenso irrelevant wie eine etwaige in Abweichung vom Haushaltsgrundsatz der Nonaffektation vorgenommene Festlegung der Einnahmen (Verwendungszwecksteuern). Der finanzwissenschaftliche Steuerbegriff umfasst mithin jeden zwangsweise zugunsten des √∂ffentlichen Sektors bewirkten Transfer √∂konomischer Werte beziehungsweise Ressourcen, dem kein Anspruch auf eine bestimmte √∂ffentliche Gegenleistung gegen√ľbersteht. Ferner wird h√§ufig auch die K√ľrzung von √∂ffentlichen Transferzahlungen bei einer Zunahme des (Erwerbs-)Einkommens des Transferempf√§ngers beziehungsweise bei √úberschreiten von bestimmten Einkommensgrenzen als (¬Ľimplizite¬ę) Besteuerung bezeichnet. Die (¬Ľkumulative¬ę) Grenzbelastung eines Einkommenszuwachses durch die explizite und diese implizite Besteuerung kann 100 % und mehr erreichen (negative Einkommensteuer).
 
Sehr unterschiedlich ist die Stellung der Besteuerung im Rahmen verschiedener Wirtschaftssysteme. Die Steuern in Planwirtschaften und in Marktwirtschaften lassen sich nur formal vergleichen. Bei Gemeineigentum an den Produktionsmitteln und staatlicher Preisfixierung ist die Besteuerung nicht prim√§r Instrument zur Erzielung von √∂ffentlichen Eink√ľnften, sondern ein begleitendes Kontrollinstrument der unmittelbaren Lenkung des Faktoreinsatzes und der Verteilung des Produktionsergebnisses. Im √úbrigen lassen sich die durch staatliche Regulierung der Volkswirtschaft entstehenden Wohlfahrtsverluste auch als eine Art von Besteuerung auffassen (¬Ľtaxation by regulation¬ę).
 
In der jahrhundertelangen Diskussion der Reichweite des staatlichen Besteuerungsrechts und der Eigenschaften ¬Ľgerechter¬ę Besteuerung entwickelten sich zwei eng mit der Staatsauffassung verbundene Sichtweisen (Steuergerechtigkeit): Der rationalistischen Staatsauffassung und der Vertragsstaatstheorie entsprach die Forderung, die Steuerbelastung des Einzelnen an der H√∂he seiner Inanspruchnahme von √∂ffentlichen Leistungen auszurichten (√Ąquivalenzprinzip), der idealistischen Staatsauffassung und der universalistisch-organologischen Staatsauffassung die Forderung nach Besteuerung entsprechend der Leistungsf√§higkeit des Einzelnen (Leistungsf√§higkeitsprinzip).
 
 Bedeutung
 
Steuern sind im modernen Staat die wichtigste öffentliche Einnahmequelle. In Deutschland werden mehr als 30 Einzelsteuern erhoben, die insgesamt rd. 87 % der öffentlichen Einnahmen ohne Kreditaufnahme bestreiten. Dieser Anteil beträgt beim Bund 90 %, bei den Ländern 71 % und bei den Gemeinden 31 %. Die aufkommenstärksten Steuern sind die Einkommensteuer (Anteil am Steueraufkommen: 39,5 %) und die Umsatzsteuer (27,9 %). Auf die vier ergiebigsten Steuern (neben Einkommensteuer und Umsatzsteuer noch Mineralölsteuer mit 8,0 % und Gewerbesteuer mit 5,4 %) entfallen 80,9 % des gesamten Steueraufkommens. Die Zahl der Bagatellsteuern, die jeweils weniger als 0,1 % des Steueraufkommens erbringen, ist seit Anfang der 1990er-Jahre durch die Abschaffung der Salzsteuer, Zuckersteuer, Leuchtmittelsteuer, Börsenumsatzsteuer, Gesellschaftssteuer und Wechselsteuer merklich gesunken.
 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Steuern wird im Allgemeinen anhand des Verhältnisses der Steuereinnahmen zur Höhe des Sozialproduktes gemessen (Steuerquote). Bei internationalen Vergleichen ist wegen der Abgrenzungsprobleme zu den Sozialabgaben die volkswirtschaftliche Abgabenquote (Abgaben) vorzuziehen. In der Struktur des Steueraufkommens kommt es, sofern nicht von Zeit zu Zeit entsprechende steuerpolitische Korrekturen vorgenommen werden, zu einer Verschiebung der Anteile am Steueraufkommen: Infolge des progressiven Steuertarifs und der hohen Steueraufkommenselastizität der Einkommensteuer steigt bei wachsenden Nominaleinkommen der Anteil der Steuern auf Einkommen.
 
 Klassifikationen und Steuersysteme
 
Steuern lassen sich nach den verschiedensten Gesichtspunkten klassifizieren. Unproblematisch ist 1) die Einteilung nach der Ertragshoheit in Steuern des Bundes, der L√§nder (Landessteuern), der Gemeinden (Gemeindesteuern) und der EU sowie in Gemeinschaftsteuern. Die √ľbrigen zahlreichen in Wissenschaft und Praxis entwickelten Einteilungen der Steuern in Steuerarten sind infolge unterschiedlicher Kriterien nicht immer √ľberschneidungsfrei (so besonders die Unterscheidung in Verbrauchsteuern und Verkehrsteuern), und sie sind angesichts der Vielfalt der tats√§chlichen und der denkbaren Erscheinungsformen der Steuern meist unvollkommen und erlauben nicht immer eine eindeutige Zurechnung. Auch werden demselben Begriff in Steuerrecht, Steuerstatistik, betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Finanzwissenschaft zuweilen unterschiedliche Inhalte (z. B. Ertragssteuern) zugeordnet.
 
Besondere Verbreitung (z. B. in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung) erlangte 2) die Einteilung nach der (vermeintlichen) Steuer√ľberw√§lzung u. a. Kriterien in direkte Steuern und indirekte Steuern. Man unterscheidet ferner z. B.: 3) nach der Steuerquelle zwischen Steuern auf die Einkommensentstehung und die Einkommensverwendung und echten Substanzsteuern auf den Verm√∂gensbestand; 4) nach dem Steuergegenstand zwischen Steuern auf Einkommen und Verm√∂gen (zuweilen auch Besitzsteuern genannt; z. B. Einkommenssteuer, K√∂rperschaftssteuer, Verm√∂genssteuer, Grundsteuer, Feuerschutzsteuer, Gewerbesteuer), Steuern auf den Verm√∂gensverkehr (Erbschaftssteuer und Grunderwerbssteuer) und Steuern auf die Einkommensverwendung (Umsatzsteuer, Versicherungssteuer, Kraftfahrzeugssteuer, Verbrauchssteuer und Z√∂lle); 5) nach der Ber√ľcksichtigung der pers√∂nlichen Umst√§nde des Steuerpflichtigen zwischen Personensteuer (Subjektsteuer) und Objektsteuer (Ertragssteuer); 6) nach der Dimension der Steuerbemessungsgrundlage zwischen Mengensteuer (St√ľcksteuer, spezifische Steuer) und Wertsteuer; 7) nach der Dauer der Erhebung zwischen laufenden Steuern und einmaligen beziehungsweise zeitlich befristeten Steuern (z. B. Notopfer Berlin, Lastenausgleichsabgaben, Solidarit√§tszuschlag); 8) nach betriebswirtschaftlichen Kriterien zwischen gewinnabh√§ngigen Steuern und Kostensteuern.
 
Die tats√§chlich existierenden Steuern bilden das Ergebnis historischer Entwicklungen und politischer Kompromisse. Sie sind damit kein widerspruchsfreies Steuersystem mit aufeinander abgestimmten Einzelsteuern. Ein Beispiel f√ľr derartige Unstimmigkeiten in historisch gewachsenen Steuersystemen stellt in Deutschland das auf die miquelsche Steuerreform von 1891-93 zur√ľckgehende Nebeneinander von Einkommenssteuer, K√∂rperschaftssteuer und (bis 1996) Verm√∂genssteuer einerseits und von (historisch √§lteren) Ertragssteuer (Gewerbesteuer und Grundsteuer) andererseits dar.
 
Der Versuch, auf der Basis von bestimmten Grunds√§tzen der Besteuerung ein ¬Ľrationales¬ę Steuersystem zu entwerfen (und zu verwirklichen), hat die Steuerwissenschaft (und zuweilen auch die Steuerpolitik) fr√ľherer Jahrhunderte intensiv besch√§ftigt und f√ľhrte im Extrem zur Idee der Alleinsteuer. Die mit einer derartigen Steuer verbundene hohe Transparenz der Steuerbelastung kann unter dem Gesichtspunkt der ¬Ľrichtigen¬ę finanzpolitischen Willensbildung als vorteilhaft gelten (Vermeidung ¬Ľfinanzpolitischer Illusionen¬ę), wird aber andererseits zu entsprechend h√∂herem Steuerwiderstand der Belasteten als bei einer Verteilung der Steuerlast auf zahlreiche (v. a. indirekte) Einzelsteuern f√ľhren, weshalb die Steuerpolitik meist eher ein Interesse an einem mehrgliedrigen Steuersystem hat. So hat jede Besteuerung neben ihrer maximalen (√∂konomischen) eine Grenze in der psychologischen Zumutbarkeit, jenseits deren Steuerausweichung, Steuerumgehung und Steuerflucht bis hin zur Steuerhinterziehung (Steuerstrafrecht) √ľberhand zu nehmen beginnen; diese Grenze ist von Land zu Land verschieden und h√§ngt u. a. ab von der herrschenden Steuermoral und der Steuermentalit√§t. Auch die Tatsache, dass die Besteuerung im modernen Staat einer Vielzahl von Funktionen und Interessen gen√ľgen muss, macht das System der Alleinsteuern unpraktikabel. Zudem sind aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht bei der Frage, was eine ¬Ľgute¬ę oder ¬Ľschlechte¬ę Steuer sei, eine Vielzahl von Allokations-, Verteilungs- und Stabilit√§tsgesichtspunkten und entsprechende Steuerwirkungen zu ber√ľcksichtigen, sodass keine einzelne Steuer eindeutig als die in jeder Hinsicht beste Steuer gelten kann. Die neuere Finanzwissenschaft befasst sich daher mit der Analyse von Steuersystemen, in denen sich verschiedene Steuern mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen bestm√∂glich erg√§nzen. Im Vordergrund stehen dabei im Unterschied zur praktischen Steuerpolitik weniger distributive Gedanken im Sinne der Steuergerechtigkeit als vielmehr allokative √úberlegungen im Sinne einer Minimierung der steuerlich verursachten Verzerrungen der Ressourcenallokation (Entscheidungsneutralit√§t als Eigenschaft optimaler Steuer). Derartige Verzerrungen verursachen Wohlfahrtsverluste und m√ľssen daher neben dem Kaufkraftentzug, der sich im Steueraufkommen beim Fiskus niederschl√§gt, als weitere Last der Steuer in Rechnung gestellt werden (Excess Burden). Berechnungen beziffern den Umfang dieser steuerlich bedingten Wohlfahrtsverluste des Steuersystems insgesamt zum Teil auf 8-10 % des Sozialproduktes beziehungsweise bis zu 30 % des Steueraufkommens. Eine vollst√§ndige Allokationsneutralit√§t w√§re allerdings nur um den Preis verteilungspolitisch wenig w√ľnschenswerter Resultate durch Pauschalsteuern erreichbar, deren H√∂he f√ľr die Steuerpflichtigen unabh√§ngig von deren Verhaltensweise ist.
 
Die Vielzahl der Interessen, die in der Demokratie auf die Steuerpolitik einwirken, und die Tatsache, dass die Steuern in steigendem Ma√üe mit nichtfiskalischen Funktionen ¬Ľbefrachtet¬ę werden, haben bei zunehmender H√∂he der Steuerbelastung zu einer au√üerordentlichen Verkomplizierung des Steuerrechts und zu sehr h√§ufigen √Ąnderungen der Steuergesetze gef√ľhrt. Zugleich wurde durch zahlreiche Ausnahmeregelungen (Steuerverg√ľnstigungen) und ¬ĽIndividualisierungen¬ę der Steuerbemessungsgrundlage die Steuerbasis ¬Ľausgeh√∂hlt¬ę (Steuererosion). Die Verwirklichung der heute vielfach erhobenen Forderung nach Steuervereinfachung steht im Konflikt mit den Anspr√ľchen der verschiedenen Gruppen und Individuen auf Ber√ľcksichtigung ihrer spezifischen Gegebenheiten und w√ľrde eine Beschr√§nkung des Einsatzes der Steuer als Instrument der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik erforderlich machen. H√§ufige √Ąnderungen der Steuergesetze und die Kompliziertheit des Steuerrechts erh√∂hen die Kosten der Besteuerung sowohl beim Fiskus (Verwaltungskosten) als auch bei den Steuerpflichtigen (Befolgungskosten), die vermehrt Zeit aufwenden oder Steuerberatung in Anspruch nehmen m√ľssen.
 
 
Schon in √Ągypten, Babylonien, Griechenland und Rom bestand ein entwickeltes Steuersystem. Im germanischen Gebiet wurden die hoheitlich-staatlichen Bed√ľrfnisse der Herrscher zun√§chst aus den Ertr√§gen des Dom√§nenbesitzes der Krone und der Territorialherren sowie durch Dienstleistungen der Vasallen und durch unregelm√§√üige Abgaben (Bede) gedeckt. Am fr√ľhesten bauten die St√§dte ihre Einnahmewirtschaft auf regelm√§√üig erhobenen Steuern auf. Doch im Reich und in den Territorien kamen neben den (Passier-)Z√∂llen und Wegegeldern eigentliche Steuern bis ins sp√§te Mittelalter nur als subsidi√§res Instrument der Einnahmebeschaffung vor: Sie wurden nur bei au√üerordentlichem Mittelbedarf (besonders im Kriegsfall) erhoben, wobei die Bewilligung durch die Reichs- beziehungsweise Landst√§nde erforderlich war (Gemeiner Pfennig, R√∂mermonat, Matrikularbeitr√§ge). Zur besseren Kontrolle bestanden die St√§nde oft auf strikter Zweckbindung der Steuereinnahmen. Zun√§chst waren aus Gr√ľnden der einfachen Erhebung und (zumindest in den St√§dten) wegen der √§quivalenztheoretischen Rechtfertigung der Steuerpflicht mit dem √∂ffentlichen Schutz des Besitzes und des Lebens Steuern auf das Grundverm√∂gen und pauschale Kopfsteuern √ľblich, seit dem 14. Jahrhundert nahmen Verbrauchssteuern (Ungelder, Akzisen) in Form von Markt- und Torabgaben und Produktionssteuern (z. B. Mahlsteuer, Schlachtsteuer) an Bedeutung zu.
 
Der durch Steuern zu deckende Mittelbedarf stieg sprunghaft an durch das Aufkommen des S√∂ldnertums und durch die Einf√ľhrung stehender Heere nach dem Drei√üigj√§hrigen Krieg. Der absolutistische Staat verlagerte die Besteuerung in starkem Ma√üe auf zahlreiche spezielle Verbrauchssteuern, nicht zuletzt um √ľber die Preiswirkungen dieser Akzisen (Steuer√ľberw√§lzung) die hergebrachten Steuerfreiheiten des Adels (bei Grund- beziehungsweise Verm√∂genssteuern) wirkungslos zu machen und durch ein umfassendes System von Einzelsteuern (Generalakzise) mit nach G√ľterarten und Erhebungsorten differenzierten Steuers√§tzen die Steuer als Instrument der wirtschaftspolitischen Lenkung einzusetzen.
 
Im Anschluss an die Reformideen der Franz√∂sischen Revolution (Verwirklichung der Prinzipien der Allgemeinheit und Gleichm√§√üigkeit der Besteuerung, Ersetzung der bisherigen Steuern durch vier Ertragsteuern: Grundsteuer, Gewerbesteuer, T√ľr- und Fenstersteuer, Kapitalrentensteuer) entwickelte sich in Deutschland v. a. in den s√ľddeutschen Staaten ein umfassendes System von objektiven Ertragssteuern, w√§hrend erste in der napoleonischen Zeit in Preu√üen nach englischem Vorbild unternommene Versuche mit einer pers√∂nlichen Einkommensteuer (1808 ff.) an der Abneigung der fr√ľhliberalen Epoche gegen√ľber einem staatlichen ¬ĽEindringen¬ę in die pers√∂nlichen Verh√§ltnisse der B√ľrger scheiterten. Erst in der 2. H√§lfte des 19. Jahrhunderts kam es (zun√§chst in Sachsen und den norddeutschen Staaten) zur Herausbildung eines Personalsteuersystems auf der Grundlage einer Einkommensteuer (sp√§ter erg√§nzt durch eine pers√∂nliche Verm√∂genssteuer), zu dem dann im 20. Jahrhundert die allgemeine Umsatzsteuer (zuerst in Deutschland 1916/18) und die separate K√∂rperschaftssteuer f√ľr Kapitalgesellschaften traten.
 
Grundlegende Ver√§nderungen des Steuersystems in der Bundesrepublik Deutschland brachten die Einf√ľhrung der Mehrwertsteuer (1968), die Reform der K√∂rperschaftsteuern (1977) und Ende der 80er-Jahre die Steuersenkungen bei Einkommenssteuer und K√∂rperschaftsteuer (Steuerreform). In j√ľngster Zeit wird die steuerpolitische Entwicklung verst√§rkt durch die Bem√ľhungen um Steuerharmonisierung im Rahmen der EU, um eine Reform der Unternehmensbesteuerung sowie um die Finanzierung der Folgen der deutschen Einheit gepr√§gt.
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Einkommensverteilung · Finanzausgleich · Finanzpolitik · Fiskalpolitik · Haushaltsplan · Konjunktur · öffentliche Einnahmen · Wachstum · Wirtschaftspolitik
 
 
A. Wagner: Steuergesch. vom Altertum bis zur Gegenwart (1910, Nachdr. 1973);
 F. Neumark: Grundsätze gerechter u. ökonomisch rationaler Steuerpolitik (1970);
 F. Neumark: S., Grundlagen, in: Hwb. der Wirtschaftswiss., hg. v. W. Albers u. a., Bd. 7 (Neuausg. 1988);
 Kurt Schmidt: Grundprobleme der Besteuerung, in: Hb. der Finanzwiss., hg. v. F. Neumark, Bd. 2 (31980);
 G. Schmölders: Allg. Steuerlehre (51980);
 H. Haller: Die S. (31981);
 A. u. J. Pausch: Kleine Weltgesch. der Steuerzahler (1988);
 J. Pausch: Kleine Weltgesch. der Steuerobrigkeit (1989);
 J. Pausch: Kleine Weltgesch. der Steuerberatung (1990);
 
Mit dem Zehnten fing es an. Eine Kulturgesch. der Steuer, hg. v. Uwe Schultz (31992);
 R. A. Musgrave u. a.: Die öffentl. Finanzen in Theorie u. Praxis, 3 Bde. (a. d. Engl., 4-61992-94);
 W. Schomburg: Lex. der dt. Steuer- u. Zollgesch. (1992);
 
Steuervereinfachung. Festschr. f√ľr Dietrich Meyding. .., hg. v. W. B√ľhler u. a. (1994);
 H. Becker: Fiskalstaat Dtl. (1995);
 
The economics of tax policy, hg. v. M. P. Devereux (Neuausg. Oxford 1997);
 
Unsere S. von A-Z, hg. vom Bundesministerium der Finanzen (181997);
 
Steuersysteme der Zukunft, hg. v. G. Krause-Junk (1998).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Steuer: Steuerwirkungen und Inzidenz
 

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1steu|ern <sw. V.> [mhd. stiuren, ahd. stiur(r)en]: 1. <hat> a) das 1‚ÜĎSteuer (a) eines Fahrzeugs bedienen u. dadurch die Richtung des Fahrzeugs bestimmen; durch Bedienen des 1Steuers (a) in eine bestimmte Richtung bewegen: ein Boot s.; das Schiff [sicher] durch die Klippen, in den Hafen s.; sie steuerte das Motorrad nur mit einer Hand; Kelley steuerte seinen Jeep √ľber deutsche Landstra√üen (Lentz, Muckefuck 296); einen Ferrari s. ([im Rennen] fahren); wenn er Leuten begegnete, die an Walzstra√üen standen oder an Gie√ü√∂fen, die Dieselloks steuerten und Fernlaster (Loest, Pistole 249); wer hat den Wagen gesteuert (ist der Fahrer des Wagens)?; <auch ohne Akk.-Obj.:> nach rechts, seitw√§rts s.; der Ruderg√§nger steuerte nach dem Kompass; √ú ein Tief bei Island steuert Warmluft nach Frankreich; denn er (= der Kanzler) glaubt ja, dass nur er in der Lage sei, die Bundesrepublik sicher durch die Wirren der Zeit zu s. (D√∂nhoff, √Ąra 56); Die Internet-Gemeinde umfasst mindestens 40 Mill. Menschen. Wie viele es wirklich sind, wei√ü niemand. Denn es gibt keine Kontrollbeh√∂rde, niemand besitzt das Netz, keiner steuert es (natur 10, 1995, 68); b) (Seew., Flugw.) steuernd (1 a) einhalten; Westkurs s.; c) <s. + sich> sich in bestimmter Weise steuern (1 a) lassen: dieser Flugzeugtyp steuert sich gut. 2. <ist> a) irgendwohin Kurs nehmen; eine bestimmte Richtung einschlagen: das Schiff steuert in den Hafen, zur Insel; das Flugzeug steuert nach Norden; √ú wohin steuert unsere Politik?; b) (ugs.) sich zielstrebig in eine bestimmte Richtung bewegen: sie steuerte durch die Tischreihen, nach vorn, an die Theke; als er vorsichtig heimw√§rts steuerte (Springer, Was 49); Wir sehen ... Jugendliche, die nicht herumlungern, sondern eilig irgendwohin steuern (Berger, Augenblick 5); √ú er steuert in sein Ungl√ľck. 3. <hat> a) (Technik) (bei Ger√§ten, Anlagen, Maschinen) den beabsichtigten Gang, Ablauf, das beabsichtigte ‚ÜĎProgramm (4) o. √Ą. ausl√∂sen: einen Rechenautomaten, die Geschwindigkeit eines Flie√übands s.; das gesamte Nachrichtennetz f√§llt ebenso aus wie die automatisch gesteuerte Heizung und die Wasserzufuhr (Gruhl, Planet 264); b) f√ľr einen bestimmten Ablauf, Vorgang sorgen; so beeinflussen, dass sich jmd. in beabsichtigter Weise verh√§lt, dass etw. in beabsichtigter Weise abl√§uft, vor sich geht; lenken: den Produktionsprozess s.; Der Mensch soll nicht nur fangen, sondern auch die Reproduktion der Fische s. (NNN 23. 3. 87, 5); diese Hormone steuern die T√§tigkeit der Keimdr√ľsen; ein Gespr√§ch geschickt [in die gew√ľnschte Richtung] s.; die √∂ffentliche Meinung s.; er glaube aber nicht, dass die UdSSR den Terrorismus steuere (SZ 22. 10. 85, 9); ob der ... KGB von der Operation wusste und inwieweit er das Attentat steuerte (Hamburger Abendblatt 24. 5. 85, 2); Unruhen ..., die von Kairo aus gesteuert worden waren (Konzelmann, Allah 353); sie wird von Gef√ľhlen gesteuert; Er ... wusste aber, wie er seine Schw√§che zu s. hatte (Loest, Pistole 133); Wir m√ľssen Spannungen aushalten, Aggressionen s. (Vaterland 27. 3. 85, 25). 4. (geh.) einer Sache, Entwicklung, einem bestimmten Verhalten von jmdm. entgegenwirken <hat>: dem Unheil, der Not s.; In der Schule versuchte man, dem Hunger mithilfe der Amerikaner zu s. (Heym, Nachruf 15).
‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ
2steu|ern <sw. V.; hat [mhd. stiuren = beschenken, eigtl. = 1‚ÜĎsteuern] (schweiz., sonst veraltet): Steuern zahlen.

Universal-Lexikon. 2012.


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